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30.05.2026

«Eine engere Zusammenarbeit mit Bildungsinstitutionen und der Forschung ist zentral»

Mit der Online-Plattform «Spitex-Fortbildung» bieten die Spitex-Verbände der Kantone Graubünden, St. Gallen, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Thurgau und Zürich ihren Mitarbeitenden ein vielseitiges Kursangebot. Im Interview erläutert Vivi Selmani, APN sowie Leiterin Fachstelle Spitexentwicklung und Ausbildung des Spitex Verbands SG|AR|AI, unter anderem, wie Bildung die Spitex-Mitarbeitenden auf ihre künftigen Aufgaben vorbereiten kann.

Text: Eva Zwahlen

 

Vivi Selmani, vor mehr als 20 Jahren schufen die Ostschweizer Spitex-Verbände ein gemeinsames Fortbildungsprogramm. Welches Ziel wurde damit verfolgt?

Grundsätzlich: Hintergrund ist die Erkenntnis, dass alle Kantonalverbände in verschiedenen Bereichen ähnliche Prozesse haben. Daraus entstand die Absicht der Verbände, ihre Ressourcen zu bündeln, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden – so zum Beispiel in der Organisation des Nationalen Spitex-Tages. Auch im Bereich der Fortbildung gab es entsprechendes Potenzial. Deshalb wurde 2005 eine gemeinsame Plattform[1] der Ostschweizer Kantonalverbände mit einem breiten, praxisorientierten Weiterbildungsangebot für die Spitex-Branche geschaffen. Ziel ist es, dass Mitarbeitende und Führungskräfte von vielfältigen Kursen profitieren können. So fördern wir gemeinsam die Stärkung der beruflichen Kompetenzen, den fachlichen Austausch und die Qualitätsentwicklung in der Spitex.
 

Was wurde mit dem Angebot erreicht?

Im Fokus der Plattform stehen Fortbildungsangebote für Mitarbeitende aller Stufen, die im ambulanten Setting tätig sind. So haben wir zum Beispiel eine einheitliche Schulung im Bereich des gemeinsamen Abklärungsinstruments interRAI lanciert. Dazu gehört ein aufeinander abgestimmtes Kursangebot von der Grundschulung über Vertiefungskurse bis hin zur Ausbildung von interRAI-Verantwortlichen der einzelnen Organisationen – für die somatische und psychiatrische Pflege, aber auch für die Hauswirtschaft. Auf grosses Interesse stiessen auch Fachkurse für operativ Leitende und Administrationsmitarbeitende zu den Themen Arbeitsrecht in der Spitex, Kranken- und Sozialversicherungen oder Pflegedokumentation. Besonders gefragt war ein Kurs zur Einführung und Schulung des Finanzmanuals und der Kostenrechnung. Nebst des Inhalts ist es uns ein Anliegen, den Austausch unter den Organisationen und über die Kantonsgrenzen hinaus zu fördern.
 

Wie entsteht das Programm? Und wo gibt es Optimierungspotenzial?

In einem ersten Schritt überlegen wir uns in der Geschäftsstelle unseres Verbands, welche Themen grundsätzlich für die Mitarbeitenden von Interesse sein könnten. Anschliessend besprechen wir, welche Referentinnen und Referenten wir bereits kennen, die für das jeweilige Thema in Frage kommen respektive geeignet sind. Das Fortbildungsprogramm wird schlussendlich an einer jährlich stattfindenden Sitzung durch die Geschäftsleitungen aller Kantonalverbände besprochen und verabschiedet. Unser Ziel ist es, ein breites und vielseitig ansprechendes Programm zusammenzustellen. Um dies zu erreichen, sind wir auf Rückmeldungen unserer Mitglieder angewiesen – insbesondere zu ihrem Bedarf und zu den Themen, die sie aktuell am meisten beschäftigen. Zudem schauen wir auch darauf, welches potenzielle Trends sein können und stellen ein entsprechendes Angebot zusammen. Mit systematischen Analysen des Weiterbildungsbedarfs möchten wir zukünftig noch passgenauer auf die Wünsche der Basisorganisationen und deren Mitarbeitenden eingehen.

Als Leiterin der Fachstelle Spitexentwicklung und Ausbildung sowie als APN ist es mir weiter ein grosses Anliegen, dass das Weiterbildungsangebot künftig noch gezielter auf jene Fähigkeiten ausgerichtet wird, die dereinst von den Spitex-Mitarbeitenden verlangt werden. Da sehe ich unseren Kantonalverband und auch die Mitglieder als Arbeitgebende in der entsprechenden Verantwortung. Eine engere Zusammenarbeit mit Bildungsinstitutionen und der Forschung ist daher zentral, damit aktuelles Wissen zeitnah in entsprechende Weiterbildungsangebote einfliessen kann.
 

Stichwort «Care@Home»: Was braucht es für Fortbildungen, damit die Vision[2] von Spitex Schweiz Realität werden kann?

Da die Situationen der Klientinnen und Klienten zu Hause immer komplexer werden, liegt der Fokus meiner Ansicht nach auf folgenden Punkten:

  • Digitale Kompetenzen: Schulungen zu neuen Technologien (etwa KI), Telemedizin, digitalen Pflegetools und Datenschutz
  •  Interprofessionelle Zusammenarbeit: Trainings zur Koordination zwischen Hausärztinnen und -ärzten, Spitälern, Therapierenden und Spitex-Diensten
  • Selbstmanagement und Beratungskompetenz: Fortbildungen, die Pflegefachpersonen befähigen, Klientinnen und Klienten in ihrer Eigenverantwortung zu stärken
  • Innovations- und Veränderungskompetenz: Angebote, die Mitarbeitende auf den kulturellen Wandel und neue Arbeitsformen im Rahmen von Care@Home vorbereiten

Ich bin zuversichtlich, dass die Kantonalverbände und auch die Basisorganisationen die Spitex-Mitarbeitenden mit einem solchen Fortbildungsprogramm bestmöglich bei ihren künftigen Aufgaben unterstützen können.

 

Vivi Selmani, MScN, Leiterin Fachstelle Spitexentwicklung und Ausbildung Spitex Verband SG|AR|AI

www.spitex.sg

 

Weitere Beiträge zur «Care@Home Ostschweiz 2040» finden Sie hier.

 

[1] www.spitex-fortbildung.ch

[2] Spitex Schweiz geht davon aus, dass sich die Grundversorgung immer weiter in das Zuhause der Menschen verlagern wird. Mit «Care@Home 2040» will der Verband daher ein eigenes Zukunftsbild entwickeln und die Rolle der Spitex darin definieren.

https://spitexmagazin.ch/artikel/2040-ist-die-gesundheitsversorgung-zu-hause-integriert-und-digital/

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