Die Zukunft der Gesundheitsversorgung findet zu Hause statt
An der diesjährigen Delegiertenversammlung des Spitex Verbands SG|AR|AI stand die künftige Gesundheitsversorgung zu Hause im Zentrum. Fachreferentin Miriam Hagmann zeigte auf, weshalb Koordination zur Schlüsselaufgabe bei der Spitex wird. Im Rahmen von Gesamterneuerungswahlen wurden Brigitte Bühler, Geschäftsführerin Spitex Vorderland, Luzia Krempl, Kantonsrätin St. Gallen (Die Mitte), Habib Kherbeche als Vertretung der kantonalen Ärztegesellschaft St. Gallen sowie Andreas Baumann, Gemeindepräsident von Degersheim SG, in den Vorstand gewählt.
Die Zukunft der Gesundheitsversorgung findet zu Hause statt. Im Rahmen eines Fachreferats ging die Referentin Miriam Hagmann, dipl. Pflegefachfrau und Betriebswirtschafterin bei der Spitex Sarganserland, daher der Frage nach, wie sich Care@Home heute und mit Blick auf das Jahr 2040 weiterentwickeln muss. Anschaulich zeigte sie die Realität ihres Berufsalltags auf: Zahlreiche Akteure handeln nebeneinander, Zuständigkeiten überlappen sich, Ressourcen werden mehrfach beansprucht und Versorgungslücken bleiben bestehen. Für Klientinnen und Klienten bedeute dies ein oft schwer durchschaubares System – und dies in einer Zeit, in der diese zunehmend hochaltrig, multimorbid und mehrfach belastet seien, so die Fachfrau weiter. Gerade in komplexen Situationen, etwa bei Verwahrlosung, Suchtproblematiken oder Einsamkeit, werde die Koordination zu einer entscheidenden Voraussetzung für eine tragfähige Versorgung zu Hause.
Miriam Hagmann machte deutlich, dass diese Koordinationsleistung in der Praxis bereits heute in hohem Mass durch die Spitex erbracht werde – häufig jedoch als «unsichtbare Leistung». Eine der grössten Herausforderungen sei dabei die Finanzierung: Fragmentierte Finanzierungssysteme, fehlende Anreize im Tarifsystem, föderale Strukturen und Zuständigkeitslücken erschwerten eine verlässliche Abgeltung. Die Referentin sprach in diesem Zusammenhang von einer Art «Kollektivgut-Dilemma»: Der Aufwand für Koordination liege oft bei einer einzelnen Partei, profitieren würden jedoch alle beteiligten Akteure. Mit Blick auf das Jahr 2040 verschärften sich diese Fragen weiter. Und: Der demografische Wandel, die Ambulantisierung, neue Modelle wie Hospital at Home, der steigende Kosten- und Versorgungsdruck sowie der Mangel an Fachpersonen und Hausärztinnen und -ärzten erhöhten die Komplexität. Umso entscheidender sei, dass sich die Spitex als wichtigste Akteurin und Expertin der Pflege und Versorgung zu Hause klar positioniere – mit hybriden Versorgungsmodellen, interprofessioneller Zusammenarbeit und einer starken Koordinationsrolle.
Menschen ein selbstbestimmtes Leben in ihrer vertrauten Umgebung ermöglichen
Diese Perspektive greift auch der Jahresbericht 2025 auf. Unter dem Titel «Care@Home Ostschweiz» zeigt er, wie sich die Gesundheitsversorgung zu Hause bereits heute verändert und welche Rolle die Spitex dabei einnimmt. Sie ist ein zentraler Pfeiler der Versorgung in den eigenen vier Wänden und gewährleistet gemeinsam mit Hausärztinnen und Hausärzten, Spitälern, Langzeitinstitutionen, Therapeutinnen und Therapeuten, Angehörigen sowie Gemeinden Kontinuität, Qualität und Sicherheit über Sektorengrenzen hinweg. Der Auftrag bleibt derselbe: Menschen ein selbstbestimmtes Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen – unabhängig von Alter, Diagnose oder sozialer Situation. Die Umsetzung dieses Auftrags verändert sich jedoch grundlegend. Dank medizinisch-technischem Fortschritt übernimmt die Spitex heute zunehmend auch komplexe, teils spitaläquivalente Leistungen, etwa in der Onkologie-, Psychiatrie-, Wund- oder Palliativpflege. Der Jahresbericht beleuchtet darüber hinaus zukunftsweisende Themen wie Caring Communities, smarte Vernetzung, Netzwerkforen und die Frage, wie Bildung die Spitex-Mitarbeitenden von morgen stärken kann. Care@Home Ostschweiz wird dabei als intelligent vernetzte, präventive und interprofessionelle Versorgungslandschaft gedacht – eingebettet in das gesamte Gesundheitssystem und getragen von einer Kultur der Zusammenarbeit, der Innovation und klarer Rollen.
Neue Mitglieder im Vorstand
Ebenfalls standen an der Delegiertenversammlung Veränderungen im Vorstand an. Nach vielen Jahren engagierten Wirkens verlassen Karen Peier, Bea Weiler Schober und Alexander Bommeli den Vorstand. Neu gewählt wurden Brigitte Bühler, Geschäftsführerin Spitex Vorderland, Luzia Krempl, Kantonsrätin St. Gallen (Die Mitte), Habib Kherbeche als Vertretung der kantonalen Ärztegesellschaft St. Gallen sowie Andreas Baumann, Gemeindepräsident von Degersheim SG. Der Spitex Verband SG|AR|AI dankt den bisherigen Vorstandsmitgliedern herzlich für ihr grosses Engagement und freut sich auf die Zusammenarbeit mit den neu gewählten Mitgliedern. Gemeinsam gilt es, die Rahmenbedingungen für eine starke, vernetzte und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung zu Hause weiterzuentwickeln.